Sonntag, 9. März 2014

Neuseeland-Vertretung Nr. 10 - Zimtzauber & Zuckernebel: Eine kulinarische Reise durch Neuseeland

Endlose Strände, zersplitterte Felsen, die wie Äpfel aussehen, Hobbit-Dörfer, einsame Fjorde, hübsche Kiwis... Ich bin mir sicher, dass ich nicht die Einzige bin, die Rebecca um all das beneidet, was sie zurzeit am anderen Ende der Welt sehen und erleben darf. Meine eigene Liebesgeschichte mit dem Land der langen weißen Wolke begann vor fast zehn Jahren. Das macht mich schon fast irgendwie zur Expertin in dieser illustren Gast-Blogger-Runde hier und ich dachte mir, dass ich euch aus diesem Anlass einmal von meinen kulinarischen Abenteuern down under berichte.

Übrigens, für die, die mich noch nicht kennen: ich bin Sabrina von Zimtzauber & Zuckernebel, habe das Glück, eine Familie in Deutschland und eine zweite in Neuseeland zu haben, sodass ich nach dem Abi in Wellington Journalismus studieren konnte. Inzwischen habe ich bei einer Agentur in London gearbeitet, danach eine Ausbildung zur Konditorin in Deutschland drangehängt und bin momentan in München, wo ich Gefallen an der Hotellerie gefunden habe.

Aber zurück zum Land meiner Träume. Als ich das erste Mal nach Neuseeland kam, als 16-jährige Austauschschülerin, zum ersten Mal ohne Familie unterwegs, zum ersten Mal auf einem fremden Kontinent und überhaupt zum ersten Mal auf der anderen Seite eines der Weltmeere, traf mich der kulinarische Schlag ziemlich ungewürzt. Meine deutsche Familie liebt gutes Essen, guten Wein und die Vielfalt der Aromen und Gewürze. Meine Gastmutter in Neuseeland kocht überhaupt nicht gern und für die Familie ist Essen hauptsächlich Nahrungsaufnahme. Salz und Pfeffer werden generell nicht verwendet - mein verwöhnter Gaumen musste sich also an diese... nun ja... recht pure Art des Genusses zunächst einmal gewöhnen. Das hatte natürlich zur Folge, dass alles, was ich später in Deutschland zu mir nahm, ungeheuer überwürzt empfand. 

Als ich nach dem Abitur ein zweites Mal ans Ende der Welt flog, um fast zwei Jahre lang in Wellington zu leben und zu studieren, war ich besser vorbereitet und wusste bereits, was mich erwartete. Meine Gastfamilie hatte mir "die Bibel der Kiwi-Hausfrau" geschenkt, Edmonds Cookery Book, ein Buch voller Koch- und Backrezepte, wie man sie zum Teil auch in Europa kennt.
Aus diesem Buch stammte auch das Rezept für den ersten Kuchen, den ich in Neuseeland gebacken habe - ein Experiment, da mich die in "cup" angegebenen Maßangaben zunächst etwas überforderten. Ich hätte es leicht haben können, hätte ich nicht die Umrechnungstabelle (cup in Gramm und vice versa) zu Anfang des Buches übersehen. Stattdessen griffen meine kleine Gastschwester Emily und ich zu Tassen als Maß und versuchten, die ungefähren Mengen der Zutaten einfach so abzuschätzen. Das Ergebnis ließ sich sehen - ein saftiger Bananenkuchen mit reichhaltigem Schoko-Überzug.


Backen in Neuseeland hat mich schon immer vor Herausforderungen gestellt. Von meiner kulinarisch begeisterten Familie zu Hause war ich es gewohnt, in einer top ausgestatteten Küche zu arbeiten und Küchenmaschine und Waage griffbereit zu haben. Meine Gastfamilie in Wellington musste eine Küchenwaage bei der Nachbarin für mich leihen und die Sahne mit einem von Hand betriebenen Rührbesen (mit einer Kurbel an der Seite) aufschlagen. Nichtsdestotrotz stand ich vor einem ganz anderen Problem, als ich meine Kommilitonen mit deutschem Weihnachtsgebäck überraschen wollte. Vanille. - Vanillekipferl nach dem Rezept meiner Großmutter gehören an Weihnachten einfach für mich dazu, aber obwohl es kaum ein einfacheres Weihnachtsgebäck gibt, war es unglaublich schwierig, die richtigen Zutaten zu finden. Für die gehackten Nüsse und Mandeln waren wir Ewigkeiten unterwegs, aber das größte Problem stellte eindeutig der Vanillezucker dar. Letzten Endes schickte mir eine Freundin ein paar Päckchen aus Deutschland mit der Post - und überraschenderweiße schaffte es das "weiße Pulver" sogar durch die strenge Zollkontrolle. Etwas verspätet gab es also schließlich doch noch Vanillekipferl und Weihnachten war für mich gerettet.


Stundenlang könnte ich euch über die Spezialitäten meines Traumlandes berichten. Lammrücken mit gebackenen Kartoffeln, Shepherd' Pie (ein Hackfleisch-Auflauf) und zum Dessert Pavlova, die berühmte Baisertorte, Lamingtons und Passionfruit Cheesecake. Fast jedes neuseeländische Gericht kommt in gleicher oder ähnlicher Form auch in Australien vor und der Streit, welche Nation sich damit rühmen darf, währt ewig.

Ein süßes Highlight in Neuseeland war für mich aber eindeutig eine Spezialität, die ich in einem vietnamesischen Take-away in Welllington kennen und lieben lernte. Die Wände der besagten Imbiss-Stube waren voller Zeitausschnitte aus der 'Dominion Post' und dem 'Wellingtonian' - Artikel, die besagten, dass "Herr der Ringe"-Darsteller wie Viggo Mortensen (Aragorn) und Liv Tyler (Arwen) hier schon gespeist haben sollen. Daneben ein Hygiene-Zertifikat des neuseeländischen Gesundheitsamtes, ausgestellt im Jahr 1972. Das schreckte mich und meine neuseeländische Kommilitonin jedoch nicht ab, das zu ordern, wegen dessen wir gekommen waren: zwei "deep fried Mars bars", zwei frittierte Mars-Riegel. (Entschuldigt an dieser Stelle bitte die schlechte Qualität des Fotos, wir hatten keine ordentliche Kamera zur Hand und Smartphones waren Ende 2009 noch nicht so weit verbreitet wie heute.)


Im Prinzip handelt es sich um einen normalen Mars-Riegel, der, ähnlich wie der Fisch für Fish'n'Chips, in Bierteig getaucht und in Fett ausgebacken wird. Dadurch schmilzt die Füllung und verbindet sich mit dem Karamell, sodass man unter der knusprigen (und zugegeben sehr fettigen) Hülle auf eine warme, zähflüssige Masse trifft, die auf der Zunge vergeht. Zugegeben, das Ding schmeckt unheimlich süß (zumal generell die Süßspeisen in Neuseeland süßer schmecken als bei uns und auch die Schokolade mehr Zucker enthält) und man kann die Kalorien praktisch schmecken - aber es ist und bleibt eine Offenbarung und sollte in den Soulfood-Charts ganz oben mitspielen, wenn ihr mich fragt.


Aufgrund seiner kulturellen Vielfalt hält Neuseeland sicherlich auch für Rebecca einige kulinarische Überraschungen bereit.

Rebecca, ich wünsche dir, dass dir "mein" Land genauso viele schöne Seiten zeigt, wie es mir gezeigt hat und dass du während deiner Zeit dort die schönsten und spannendsten Erfahrungen deines Lebens machen wirst. Falls "Fisherman's Plate" in Wellington noch nicht der Weltwirtschaftskrise oder dem Gesundheitsamt zum Opfer gefallen ist, solltest du dort auf jeden Fall einen "deep fried Mars bar" bestellen und dich den Kalorien hingeben.

Liebe Leser von "bambi backt", ich hoffe, ich konnte euch mit meinen Erzählungen den Tag ein wenig versüßen und euch ebenfalls Lust auf kulinarische Abenteuer machen. Ich möchte euch ans Herz legen, unbekannte Spezialitäten zu probieren, wenn sich die Chance dazu bietet - im schlimmsten Fall schmeckt es nicht, aber wenn ihr Glück habt, habt ihr vielleicht Soulfood vom Feinsten entdeckt.

sabrina

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