Donnerstag, 24. Juli 2014

[Rezension] Die Backfee Zuckersüß

Wie ihr wisst, werde ich von pastellfarbenen Backbüchern wie magisch angezogen und dieses hier qillt gerade zu über davon! Mint, Rosa, Creme, Babyblau - die knalligste Farbe im Buch ist Kirschrot. *Die Backfee Zuckersüß ist das erste auf Deutsch erschienene Backbuch von Manuela Kjeilen, einer bekannten Foodbloggerin aus Norwegen. Bevor ich das Buch in Händen hielt, hatte ich noch nie von ihr gehört, was mich verwundert, denn ihre Bilder und auch die Rezepte sind ein Traum! Warum ich aber denke, dass das Buch trotzdem ein bisschen over the top ist und es noch einige andere Abzüge in der B-Note von mir bekommt, erfahrt ihr nach dem Klick.


Inhaltlicher Aufbau
Das Buch beginnt mit einem Vorwort der Autorin, in dem sie von ihrem Blog erzählt und sich bei den Menschen, die Blog und Buch möglich gemacht haben, für die Unterstützung bedankt. Es folgen zwei Seiten Backtipps - was ich sehr überschaubar finde - und dann beginnt der Rezeptteil mit den Cupcakes. Diese nehmen ganze hundert Seiten im Buch ein und sind offensichtlich Manuelas Lieblingsgebäck. Die restlichen Seiten teilen sich die Cookies, Kuchen und alle anderen Rezepte wie Marshmallows, Cake Pops und Baiser, die sie unter dem Begriff "Sweets" zusammengefasst hat.

Ganz zum Schluss findet man eine detaillierte Danksagungsseite inklusive der Sponsoren, das Rezeptregister, Bezugshilfen und die Blog-URL von Passion4Baking sowie einem zweiten Blog, das seit Dezember 2013 "under construction" ist und allem Anschein nach auch nicht mehr weiter aufgebaut wird. Es sollte das englischsprachige Pendant zu dem norwegischen Blog werden. Allerdings kann man Passion4Baking auch auf Englisch lesen, daher wird die Idee des zweiten Blogs wohl verworfen worden sein. (Eine Umleitung wäre an dieser Stelle sinnvoll.)


Die Rezepte
Zu den Rezepten bleibt mir zuerst vor allem eins zu sagen: Der Name ist Programm. Sie sind nicht nur optisch süß, die Zutaten sind es auch. Bei Cupcakes und Co kann man an sich nichts anderes erwarten, aber die Buttermengen sind trotzdem erschreckend. Man muss dazu sagen: Manuela bereitet viele Frostings mit Eischnee zu. Das ist vielleicht etwas kalorienärmer als das übliche Butter-Puderzucker-Gedöns, aber schlicht nicht jedermanns Sache. Ich arbeite zum Beispiel höchst selten mit rohen Eiern, da ich im Großteil der Fälle Pech mit den eigentlich frischen Eiern hatte. Ich hätte mir mehr Frischkäse-Frostings gewünscht. Gut finde ich jedoch die Frostings auf Sahnebasis, vor allem das der Vanilla-Cupcakes, die ich nachgebacken habe: KLICK.

Im Großen und Ganzen machen die Rezepte aber einen positiven Eindruck auf mich und sie sind auch wirklich was Neues! Schön ist auch, dass die Autorin das eine oder andere Basisrezept eingepflegt hat. So gibt es beispielsweise ein sehr simples Rezept für Crème pâtissière, Karamellsoße, Lemon Curd oder selbst gemachte essbare Perlen.


Gestaltung
Wie bereits erwähnt, dominieren in Die Backfee Zuckersüß ganz klar Pastelltöne. Die Gebäcke, die Deko, das Layout - alles ist zuckerwattefarben. Meiner Meinung nach hat man es hier sogar etwas ZU gut gemeint, denn mitunter ist das Ganze dann doch recht kitschig und passt auch nicht gut zum Alter der Autorin. Manchmal wirkt sie durch ihre Outfits und die Inszenierung drum herum etwas lächerlich, weil es einfach nicht authentisch ist. (Aber das ist bloß mein Eindruck und sicher auch Geschmackssache.)

Die Aufnahmen im Buch passen zum üblichen gewählten Stil und sind wunderschön. Allerdings gilt dies nicht für alle Fotografien. Die Rezeptbilder von Manuela sind durchweg tadellos und hübsch anzusehen, die Aufnahmen auf den Füllseiten sind es leider nicht immer, da sie oft nicht sehr gut ausgeleuchtet wurden.


Im Übrigen finde ich diese Füllseiten generell ziemlich störend: Dort gibt es viele Aufnahmen von der Autorin (Manuela im Café, in Paris, im Regen, vor schönen Gebäuden, beim Schuhe(!?)auspacken ...) und die meisten davon wirken extrem gestellt. Des Weiteren hat man Zitate von ihr eingebaut, die jeweils eine ganze Seite im Buch einnehmen, aber nicht zum Thema passen oder die schlicht nichtssagend sind. So heißt es beispielsweise "Schon in meiner Kindheit bin ich süßen Naschereien verfallen und sie sind noch heute einfach wunderbar" oder "Sie sind besonders!". Das ist zwar nett, aber wenn ich ein Backbuch kaufe, erwarte ich Rezepte und keinen Selbsthilferatgeber.

Zudem finde ich es höchst fragwürdig, sich im eigenen Buch selbst zu zitieren - zumindest wenn es sich dabei um so zusammenhanglose Aussagen handelt und keine Tipps oder ähnlich sinnvolle Dinge, die hervorhebenswert wären. Manuela wirkt auf mich dadurch, und aufgrund der vielen gestellten Bilder von ihr, leicht arrogant und es macht sie mir unsympathisch - dabei ist sie eigentlich kein bisschen so. Ich habe mir ein Video von ihr angesehen, auch wenn ich kein Wort verstehe, und finde sie darin sehr nett und natürlich. Leider kommt sie in ihrem Backbuch so nicht rüber, sehr schade.


Productplacement?
Mir ist aufgefallen, dass im Buch oft sehr hochpreisige Artikel gut sichtbar abgebildet wurden. Entweder in den Füllaufnahmen mit Manuela oder als Deko bei den Rezepten. Mit dabei: Küchenmaschinen und Rührwerkzeug von Kitchen Aid, Louboutin-Heels, Tiffanydöschen und in den Tipps zum Frostingspritzen werden ausschließlich Wilton Spritztüllen empfohlen. Hier liegt die Vermutung natürlich nahe, dass Productplacement betrieben wurde - zumal sich lange nicht alle dieser Hersteller in der Sponsorenliste finden! Allen voran Kitchen Aid, deren Produkte ganz bewusst in Szene gesetzt wurden und von deren Küchenmaschinen gleich mehrere Farben auf den Bildern zu sehen sind.

Manuela wurde bevorzugt an Szeneorten fotografiert. So liest sie die Speisekarte bei Ladurée in Paris, posiert vor Peggy Porschen's Café in London und, und und. Zusammen mit den ganzen  Artikeln gehobener Preisklasse macht es den Eindruck, als habe man ein luxuriöses Flair erzeugen wollen. Das klappt meiner Ansicht nach aber nicht, im Gegenteil, ich finde es unsympathisch und unnatürlich, da ich mich mit dieser Art Lebensstil nicht identifiziere. Zudem passt es nicht zum Buchtitel.


Fazit:
Die Backfee Zuckersüß ist ein an sich schönes Buch mit inspirierenden und guten Rezepten, auch wenn ich einige davon nie ausprobieren werde, da mir die Zutaten zu krass sind. Die Autorin selbst ist leider etwas zu präsent. Aufnahmen, die sie beim Zubereiten der Gebäcke zeigen, finde ich sinnvoll und stimmig. Doch der Großteil der Aufnahmen von ihr sind zusammenhanglos und vor allem das hohe Aufkommen an hochpreisigen Produkten macht mich stutzig. Der Spagat zwischen High Class und zuckersüßem 50s-Stil ist meines Erachtens nach nicht gelungen. Ein kleines Bisschen weniger gestellte Bilder und Kitsch, dann wäre es ein super Backbuch! Wer das alles aber nicht beachtet und einfach Wert legt auf tolle Rezeptideen, dem sei Die Backfee Zuckersüß von mir ans Herz gelegt. Ich betrachte Backbücher natürlich auch immer etwas sehr kritisch und was mir missfällt, kann euch vielleicht schon wieder piepegal sein. ;)



Fakten zum Buch:
*
Die Backfee. Zuckersüß: Zarte Cupcakes, Cookies, Kuchen und andere Versuchungen (Manuela Kjeilen)
Hardcover, 288 Seiten
Verlag: Busse Seewald

Erscheinungsdatum: 20. Januar 2014

ISBN-13: 978-3772473746

Preis: 24,95 Euro


PS: Dieser Beitrag ist nicht gesponsert. Für die Rezension wurde mir ein Exemplar vom Verlag zur Verfügung gestellt - vielen Dank dafür! -, den Artikel habe ich jedoch komplett selbst verfasst und die darin befindlichen Aussagen spiegeln (ganz offensichtlich) allein meine persönliche Meinung wider.


*Affiliate-Links 

Kommentare:

  1. Hi Rebecca, ich habe mir das Buch gleich gekauft als es rauskam und ich finde die Aufmachung sehr schön. Freue mich auch schon auf das zweite deutsche Buch welches nächste Woche rauskommt. In meinem Norwegenurlaub letzte Woche habe ich mir auch ein Buch von ihr gekauft. Und da muss ich dich auch leider verbessern. Manuela Kjeilen ist aus Norwegen (nicht Schweden) und ihren Blog gibt es auf norwegisch und englisch.
    Natürlich sind die Zutaten nicht unbedingt kalorienarm, aber das ist bei den meisten amerikanischen Rezepten ja auch der Fall ;-) In Norwegen gibt es übrigens auch Produkte von Manuela Kjeilen im Supermarkt zu kaufen u. a. Zuckerperlen usw. von Dr. Oetker und auch Backmischungen und Muffinförmchen.

    Liebe Grüße,
    Sarah

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    1. Hallo Sarah,

      danke für den Hinweis! Der Beitrag ist am Abend vor meinem Umzug entstanden, auf den letzten Drücker, da habe ich Schweden und Norwegen durcheinander geworfen. Dabei steht es ja im Buch drin... dämlich, naja. Habe es jetzt korrigiert. :) Ihre Produkte bewirbt sie ja auch auf zB YouTube, sie scheint schon echt sehr bekannt zu sein in ihrer Heimat.

      Liebe Grüße!

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    2. Ich dachte sie ist megabekannt in Norwegen und in der ersten Buchhandlung habe ich nicht ein Buch von ihr gefunden :-D Aber ich muss auch sagen, dass die Rezepte nicht unbedingt leicht sind. Nicht vom backen sondern vom verkosten. Ich habe auch noch nicht soviel ausprobiert, weil ich mir immer denke, dass ich das niemals alleine aufessen kann. Selbst die Hälfte nicht. Da die Zutaten so reinhauen ist man nach einem bisschen schon gut gesättigt. Ich hätte mir ja am liebsten in Norwegen einiges mitgenommen von ihren Produkten, aber es war mir dann doch zu teuer ... ist es ja in Norwegen leider allgemein :-(
      Liebe Grüße
      Sarah

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    3. Da kann ich dir nur zustimmen. Ich denke, wenn ich in Zukunft etwas aus ihrem Buch backe, dann nur für viele Leute, soll heißen für Geburtstage oder ähnliches. Ansonsten wäre es schade um die Zutaten, denn zu zweit kann man das alles nicht aufessen, auch nicht die Hälfte. Und mein Freund probiert ja meistens sowieso nur mal ein bisschen und lässt mir den Rest dann stehen nach dem Motto "Friss, verteil es an Nachbarn - oder stirb". :D Liebe Grüße!

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Kommentare sind wie Sahnehäubchen auf einem leckeren Stück Kuchen - Danke, dass du ein paar süße Worte dalässt! ♥♥♥

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